Willkommen auf MEERSCHWEINCHENKäFIG.DE

meerschweinchenkäfig.de bietet Ihnen weiterführende Links auf Webseiten zum Thema meerschweinchenkäfig

Startseite > Nagetiere
  • 1980:<ref name="Corbet et Hill 1980">Gordon Barclay Corbet, John Edwards Hill: ''A World List of Mammalian Species.'' Comstock, London 1980, VIII + 226 Seiten.</ref> 1591 Arten
  • 1982:<ref name="Honacki et al. 1982">James H. Honacki, Kenneth E. Kinman, James W. Koeppl (Hrsg.): ''Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference.'' Allen Press, Inc. and The Association of Systematics Collections, Lawrence, Kansas 1982, IX + 694 Seiten, ISBN 0-942924-00-2.</ref> 1719 Arten bzw. etwa 41,2 Prozent aller Säugetiere
  • 1986:<ref name="Corbet et Hill 1986">Gordon Barclay Corbet, John Edwards Hill: ''A World List of Mammalian Species.'' 2. Ausgabe. Facts on File Publications, New York 1986, 254 Seiten, ISBN 0-565-00988-5.</ref> 1738 Arten
  • 1993:<ref name="Wilson et Reeder 1993">Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): ''Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference.'' 2. Ausgabe. Smithsonian Institution Press, Washington, D.C. 1993, XVIII + 1207 Seiten, ISBN 1-56098-217-9.</ref> 2015 Arten bzw. etwa 43,5 Prozent aller Säugetiere
  • 2005:<ref name="Wilson et Reeder 2005">Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): ''Mammal Species of the World. A Taxonomic and Geographic Reference.'' 3. Ausgabe. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2005, XXXV + XVII + 2142 Seiten, ISBN 0-8018-8221-4.</ref> 2277 Arten bzw. etwa 42,0 Prozent aller Säugetiere und 481 Gattungen

Die hier vorgenommene Unterteilung der .'' 3.?Auflage. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2005, S.?745?752, ISBN 0-8018-8221-4 (englisch).</ref>

'''Ordnung''' Nagetiere (Rodentia)

  • '''Unterordnung''' Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
    • Die Bilche oder Schläfer (Gliridae) sind äußerlich hörnchen- oder mausähnliche Tiere der Alten Welt, dazu gehören unter anderem der Siebenschläfer und die Haselmaus.
    • Überfamilie Hörnchenartige (Sciuroidea)
  • '''Unterordnung''' Biberverwandte (Castorimorpha)
    • Die Biber (Castoridae) sind große, aquatische Nager mit zwei Arten in Nordamerika und Eurasien.
    • Die Taschennager (Geomyoidea) sind nach ihren außenliegenden Backentaschen benannt und leben in Nord- und Mittelamerika.
  • '''Unterordnung''' Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
    • Die Laotische Felsenratte (''Laonastes aenigmamus'', Diatomyidae (''incertae sedis'')) wurde erst 2005 entdeckt. Ihre Systematische Stellung ist noch unklar.
    • Kammfingerartige (Ctenodactylomorphi)
      • Die Kammfinger oder Gundis (Ctenodactylidae) leben in trockenen Regionen Afrikas und haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den Meerschweinchen.
    • Hystricognathi
      • Die Stachelschweine (Hystricidae) sind durch lange Stacheln charakterisierte Tiere aus Eurasien und Afrika.
      • Teilordnung Phiomorpha
        • Die Sandgräber (Bathyergidae) wie der Nacktmull sind unterirdisch grabende Tiere aus Afrika.
        • Überfamilie Thryonomyoidea
          • Die Felsenratte (''Petromus typicus'', Petromuridae) bewohnt trockene Gebiete im südlichen Afrika.
          • Die Rohrratten oder Grasnager (Thryonomyidae) sind große Nagetiere aus Afrika, die auch wegen ihres Fleisches gezüchtet werden.
      • Die Meerschweinchenverwandten (Teilordnung Caviomorpha) leben auf dem amerikanischen Doppelkontinent.
        • Überfamilie Baumstachlerartige (Erethizontoidea)
          • Die Baumstachler (Erethizontidae) einschließlich des Borstenbaumstachlers ähneln den altweltlichen Stachelschweinen, sind aber vorwiegend Baumbewohner.
        • Überfamilie Meerschweinchenartige (Cavioidea)
        • Überfamilie Chinchillaartige (Chinchilloidea)
        • Überfamilie Trugrattenartige (Octodontoidea)
          • Die Chinchillaratten (Abrocomidae) bewohnen Gebirgsregionen in den Anden. Ihr Fell ähnelt dem der Chinchillas.
          • Die Trugratten (Octodontidae) leben im südlichen Südamerika. Dazu gehört der Degu.
          • Die Kammratten (Ctenomyidae) bilden eine Gruppe in unterirdischen Bauen lebender Nagetiere.
          • unbenanntes Taxon (N. N.)
            • Die Stachelratten (Echimyidae) sind durch ihr meist borstiges oder stacheliges Fell charakterisiert und kommen auch auf den Westindischen Inseln vor.
            • Die Biberratte oder Nutria (''Myocastor coypus'', Myocastoridae) ist als Gefangenschaftsflüchtling mittlerweile auch in Europa beheimatet.
            • Die Baumratten oder Hutias (Capromyidae) leben auf den Westindischen Inseln. Viele Arten sind hochgradig gefährdet oder bereits ausgestorben.
            • Die Riesenhutias (Heptaxodontidae) waren auf den Westindischen Inseln lebende, zum Teil riesige Tiere, die allesamt ausgestorben sind. Ihre systematische Stellung ist noch unklar.

Die Nagetiere bilden aufgrund einiger abgeleiteter, morphologischer Merkmale (</ref>
sieht wie folgt aus:

{| class="wikitable toptextcells centered"
|-
! Kladogramm der Nagetiere<ref name="Heritage et al. 2016"/>
|-
|

{{Klade

 |label1=Nagetiere?
 |1={{Klade
   |label1=?[[Sciuromorpha]]
   |1={{Klade
     |1=?[[Bilche]] (Gliridae)
     |label2=?Sciuroidea
     |2={{Klade
       |1=?[[Stummelschwanzhörnchen]] (Aplodontiidae)
       |2=?[[Hörnchen]] (Sciuridae) 
      }}}}
   |2={{Klade
     |1=?[[Stachelschweinverwandte]] (Hystricomorpha)
     |2={{Klade
      |label1=?[[Anomaluromorpha]]
      |1={{Klade
         |1=?[[Springhasen]] (Pedetidae)
         |2={{Klade
            |1=?[[Zenkerellidae]] 
            |2=?[[Dornschwanzhörnchen]] (Anomaluridae) 
         }}}}
      |2={{Klade
       |1=?[[Mäuseverwandte]] (Myomorpha)
       |label2=?[[Biberverwandte]]
       |2={{Klade
         |1=?[[Biber]] (Castoridae)
         |label2=?[[Taschennager]]
         |2={{Klade
           |1=?[[Taschenratten]] (Geomyidae)
           |2=?[[Taschenmäuse]] (Heteromyidae)

}}}}}}}}}}}}}}
|}
Innerhalb der Hörnchenverwandten bilden Stummelschwanzhörnchen und Hörnchen eine seit langem gut belegte Verwandtschaftsgruppe. Die vermutete Verwandtschaft mit den Bilchen hat in letzter Zeit vermehrt Unterstützung erfahren. Auch die Verwandtschaft der Biber und Taschennager miteinander und damit die Zusammenfassung als Biberverwandte ist inzwischen recht sicher. Die Mäuseverwandten bilden eine gut belegte Verwandtschaftsgruppe.

Die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Stachelschweinverwandten sind inzwischen recht gut belegt.
Demnach bilden die Kammfinger die Schwestergruppe aller anderen Familien.
Auch die Phiomorpha und die Meerschweinchenverwandten erfahren als Verwandtschaftsgruppen gute Unterstützung.
Lediglich das Schwestergruppenverhältnis zwischen Phiomorpha, Meerschweinchenverwandten und Stachelschweinen ist noch nicht klar.

Traditionelle Klassifizierungsmerkmale

Traditionell werden zwei morphologische Merkmale zur Klassifizierung der Familien herangezogen.

Zwei Ausprägungen des Unterkiefers werden unterschieden:
  • ''sciurognath'': Der Unterkieferkörper und die Außenseite des Unterkieferastes liegen auf einer nahezu geraden Linie.
  • ''hystricognath'': Der Unterkieferkörper und die Außenseite des Unterkieferastes bilden einen Winkel.
Vier Ausprägungen der Kaumuskulatur werden unterschieden:<ref name="Bell 2004">Sean D. Bell: ''Aplodontid, Sciurid, Castorid, Zapodid and Geomyoid Rodents of the Rodent Hill Locality, Cypress Hills Formation, Southwest Saskatchewan.'' Saskatoon, Dezember 2004 (; 6.092?KB).</ref>
  • ''protrogomorph'': Bei der ursprünglichen Ausprägung ist die Schnauze unverändert. Der Masseter-Muskel ist klein und setzt nur an der Unterseite des Jochbogens an. Diese Ausprägung findet sich bei ausgestorbenen Familien aus dem Paläozän und bei den Stummelschwanzhörnchen. Bei den Sandgräbern hat sich dieses Merkmal aus der Ausprägung ''hystricomorph'' zurückentwickelt.
  • ''sciuromorph'': Die Unterseite des Jochbogens neigt sich vorne zu einer senkrechten Fläche. Der ''Masseter lateralis'' setzt zwischen Auge und Schnauze an und bewegt den Unterkiefer beim Nagen vorwärts. Der ''Masseter superficialis'' setzt entlang des Jochbogens und der ''Masseter medialis'' an der Unterseite des Jochbogens an. Er ist kurz und dient nur zum Schließen des Kiefers. Diese Ausprägung findet sich bei den meisten Hörnchen, den Bibern, den Taschennagern sowie der ausgestorbenen Familie Eomyidae.
  • ''hystricomorph'': Der ''Masseter medialis'' ist vergrößert, durchzieht das ebenfalls vergrößerte ''Foramen infraorbitale'' und ist für das Nagen zuständig. Der ''Masseter superficialis'' setzt an der Vorderkante des Jochbogens an, während der ''Masseter lateralis'' entlang des Jochbogens ansetzt. Beide dienen nur zum Schließen des Kiefers. Diese Ausprägung findet sich bei den Stachelschweinverwandten, den Dornschwanzhörnchen und dem Springhasen, den Springmäusen, einigen fossilen Mäuseartigen und bei den Afrikanischen Bilchen.
  • ''myomorph'': Die Unterseite des Jochbeins neigt sich wie bei der Ausprägung ''sciuromorph'' vorne zu einer senkrechten Fläche, der ''Masseter lateralis'' setzt zwischen Auge und Schnauze an und der ''Masseter superficialis'' entlang des Jochbogens. Beide setzen weit hinten am Unterkiefer an und ersterer kreuzt den vergrößerten ''Masseter medialis''. Dieser verläuft unter dem Jochbogen, durchzieht wie bei der Ausprägung ''hystricomorph'' das ebenfalls vergrößerte ''Foramen infraorbitale'' und führt durch die Augenhöhle zum vorderen Oberkiefer. Diese Ausprägung ermöglicht das effektivste Nagen und findet sich bei den Mäuseartigen sowie konvergent bei einigen Bilchen (hier manchmal auch als ''pseudomyomorph'' bezeichnet). Eine ähnliche Ausprägung findet sich eventuell auch bei den ausgestorbenen Cedromurinae.

Geschichte der Systematik

''Hauptartikel:'' Geschichte der Systematik der Nagetiere

Schon Carl von Linné fasste in seiner ''Systema Naturae'' ab 1735 ursprünglich alle Nagetiere einschließlich der Hasenartigen in der Ordnung Glires zusammen. Daneben enthielt diese Ordnung mit Spitzmäusen, Desmanen, Beutelratten, Nashörnern, Fledermäusen und dem Fingertier zeitweise auch nicht verwandte Säugetierarten. Von 1821 stammt die Bezeichnung Rodentia für die Ordnung der Nagetiere einschließlich der Hasenartigen. Nach der unterschiedlichen Ausprägung ihrer Kaumuskulatur wurden diese 1855 in Sciuromorpha (?Hörnchenartige?), Myomorpha (?Mäuseartige?), Hystrichomorpha (?Stachelschweinartige?) und Lagomorpha (?Hasenartige?) unterteilt. Erstere drei Gruppen, die Nagetiere im heutigen Sinn, wurden 1876 als Simplicidentata zusammengefasst und den Hasenartigen (Duplicidentata) gegenübergestellt. Nach der Struktur ihres Unterkiefers hingegen wurden die Nagetiere im heutigen Sinn 1899 in die Sciurognathi und die Hystricognathi unterteilt. Neben der Dreiteilung in Sciuromorpha, Myomorpha und Hystricomorpha ist diese Zweiteilung bis in die heutige Zeit weit verbreitet. 1912 wurde erstmals vermutet, dass Nagetiere und Hasenartige nicht näher miteinander verwandt sind, und die beiden Gruppen wurden fortan als separate Ordnungen geführt.

Anfang der 1990er-Jahre wurde mit der provokanten Veröffentlichung ''Is the Guinea-Pig a Rodent?'' (?Ist das Meerschweinchen ein Nagetier??) in der Zeitschrift ''Nature'' die Theorie aufgestellt, die Meerschweinchenverwandten seien nicht mit den übrigen Nagetieren verwandt, sondern hätten sich zu einem früheren Zeitpunkt als andere Säugetierordnungen abgespalten. Andere Untersuchungen von morphologischen und molekularer Daten bestätigten hingegen die Monophylie (die gemeinsame Abstammung aller Arten von einem gemeinsamen Vorfahren) der Nagetiere, was heute weitgehend als Konsens betrachtet wird.

Stammesgeschichte

Die ersten zweifellos den Nagetieren zuzuordnenden Funde stammen aus dem oberen Paläozän, entstanden dürfte die Gruppe aber bereits in der Kreidezeit sein. Als mesozoische Vorläufer werden manchmal die Zalambdalestidae angeführt, eine in der Oberkreide in Asien lebende Gruppe. Diese für mesozoische Säugetiere relativ großen Tiere hatten einen den Rüsselspringern vergleichbaren Körperbau und wiesen im Bau der vergrößerten unteren Schneidezähne Ähnlichkeiten mit den Nagern auf. Ob sie tatsächlich die Vorfahren der Nagetiere oder der Glires (des gemeinsamen Taxons aus Nagern und Hasenartigen) darstellen, ist umstritten.

Im unteren Paläozän lebte in Asien die Familie der Eurymylidae, die wie die heutigen Nager bereits nur mehr zwei vergrößerte Schneidezähne pro Kiefer aufwies, sich in Details im Aufbau der Zähne aber von diesen unterscheidet. Heute werden die Eurymylidae eher als Schwestergruppe der Nagetiere und nicht als dessen basale Vertreter klassifiziert. Ähnliches gilt für die Alagomyidae, die ebenfalls im Paläozän in Asien und Nordamerika lebte.

Als älteste bekannte Vertreter der Nagetiere gelten die belegt.

Eine Gruppe von Nagern, die heute als Meerschweinchenverwandte zusammengefasst werden, erreichte im frühen Oligozän (vor rund 31 Millionen Jahren) Südamerika ? vermutlich von Afrika auf Treibholz über den damals viel schmaleren Atlantik schwimmend. Südamerika war damals ? wie während des größten Teils des Känozoikums ? von den übrigen Kontinenten isoliert, sodass sich eine eigene Fauna bilden konnte, vergleichbar mit der Situation in Australien. Es gab dort nur wenige Säugetiergruppen (die Beutelsäuger, die ausgestorbenen Südamerikanischen Huftiere und die Nebengelenktiere), weswegen die Meerschweinchenverwandten einige ökologische Nischen einnehmen konnten, die für Nagetiere untypisch sind und sich in dieser Form nur bei dieser Gruppe finden. Einige grasfressende Arten stellen gewissermaßen das ökologische Äquivalent zu den Paarhufern dar, auch entwickelten sich riesenhafte Formen. Noch heute gehört mit dem Capybara der größte Nager zu dieser Gruppe, ausgestorbene Formen wie ''Phoberomys'' erreichten sogar die Ausmaße von Flusspferden.

Bemerkenswert ist, dass die Nagetiere vor der weltweiten Ausbreitung des Menschen als einzige Gruppe landgebundener Plazentatiere den australischen Kontinent besiedeln konnten. Diese Einwanderung geschah in mehreren Wellen vor fünf bis zehn Millionen Jahren. Heute gibt es eine Reihe auf diesem Kontinent endemischer Gattungen, darunter die Schwimmratten, die Australischen Kaninchen- und die Häschenratten. Zu einem späteren Zeitpunkt haben auch die Ratten mit mehreren Vertretern Australien erreicht.

Nagetiere und Menschen

Nagetiere als Nutztiere

Eine Reihe von Nagetierarten wird vom Menschen als Nutztiere gehalten, das heißt, um sich einen wirtschaftlichen Zweck zugutezumachen. Die wichtigsten Zwecke sind der Genuss ihres Fleisches, die Verwendung des Fells und Tierversuche.

Der Genuss des Fleisches von Nagetieren ist heute im mitteleuropäischen Kulturraum unüblich, wenn auch in früheren Zeiten insbesondere in Notsituationen auch diese Tiere verspeist wurden. In anderen Regionen der Erde hingegen werden sie gegessen, manche Arten gelten sogar als Delikatesse. Bekannte Beispiele sind die Hausmeerschweinchen, die in Südamerika ? insbesondere in Peru ? millionenfach gezüchtet und verspeist werden, die Rohrratten, die in einigen westafrikanischen Ländern wie Ghana gehalten werden und deren Zucht von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) propagiert wird, oder der Siebenschläfer, der im alten Rom als Leckerbissen galt und in eigens angelegten Glirarien gemästet wurde. Daneben werden Nagetiere nicht nur für den Genuss des Menschen gezüchtet, sondern auch als Futtertiere verwendet, beispielsweise für Echsen und Schlangen und andere in Zoos oder privaten Terrarien gehaltene Tiere.

Einige Nagetiere werden auch ihres Felles wegen gejagt oder auch gezüchtet. Die hierzulande bekanntesten Vertreter sind die Eigentlichen Chinchillas, die Bisamratte und die Biberratte oder Nutria; weltweit dienen jedoch die verschiedensten Arten als Pelzlieferanten.

Einen bedeutenden Bereich der Nutzung von Nagetieren stellen Tierversuche dar. Diese Tiere werden vorwiegend verwendet, da sie klein, leicht zu züchten und zu halten sind und sich sehr schnell vermehren. Über 80 %, teilweise sogar über 90 %, der eingesetzten Tiere sind Nagetiere, allen voran Farbmäuse, gefolgt von Farbratten und Hausmeerschweinchen. Die Kontroverse um den tatsächlichen Nutzen dieser Praktiken wird äußerst heftig geführt. Ebenfalls zu den Tierversuchen kann die Verwendung von Nagetieren in der Raumfahrt gezählt werden. Erstmals wurden Hausmäuse und Hausmeerschweinchen an Bord des sowjetischen Raumschiffs Wostok 3?A im März 1961 ins All geflogen, später kamen auch Wanderratten und Taschenmäuse hinzu.

Nagetiere als Heimtiere

Zahlreiche Nagetiere werden auch als Heimtiere oder Streicheltiere gehalten, das heißt aus Freude und persönlicher Zuneigung und nicht aus einem direkten wirtschaftlichen Nutzen. Die Gründe für die Haltung von Nagern sind unter anderem die geringe Körpergröße und die damit verbundenen niedrigen Haltungskosten. Etliche Arten sind jedoch aufgrund ihrer nachtaktiven Lebensweise und ihrer Unwilligkeit gegenüber Berührungen nur bedingt als Heimtier geeignet, auch ist bei vielen Arten, die in großen Gruppen leben oder viel Auslauf brauchen, eine artgerechte Haltung kaum realisierbar. Zu den Arten, die als Heimtiere gehalten werden, zählen Hausmeerschweinchen,
Gold-, Zwerg- und andere Hamster, Haus-, Renn-, Spring- und andere Mäuse, Wanderratten, Degus, Chinchillas, Gleit-, Streifen- und andere Hörnchen, mehrere Bilcharten und andere mehr.

Nagetiere als ?Schädlinge? und Gefahr für den Menschen

Etwa 200 bis 300 Arten gelten als Landwirtschafts- oder Nahrungsmittelschädlinge. Zum Teil halten sie sich in den zur Nahrungsmittelproduktion genutzten Flächen auf, wo sie die Feldfrüchte selbst verzehren oder durch ihre unterirdische Lebensweise an Wurzeln und Knollen der Pflanzen Schäden anrichten. Häufig ist der Mensch die Hauptursache dafür, indem er massiv in den natürlichen Lebensraum der Tiere eingreift. Durch die Umwandlung der Habitate in landwirtschaftlich genutzte Flächen und die Verringerung des Nahrungsangebotes werden viele Arten gezwungen, sich neue Nahrungsquellen zu erschließen. In Indonesien gehen beispielsweise 17 % der Reisernte durch Nagetiere verloren. Diese stehen dann in Konkurrenz zu den wirtschaftlichen Interessen und leiten die Verfolgung ein. Die hemerophilen Arten (Kulturfolger), beispielsweise Mäuse und Ratten, suchen auch direkt in den Aufbewahrungsorten von Lebensmitteln nach Nahrung. Darüber hinaus kommt es durch die Nagetätigkeit oft zu weiteren materiellen Schäden, zum Beispiel an Dämmmaterialien, Strom- und Wasserleitungen.

Neben den materiellen Schäden, die Nagetiere anrichten, sind einige Arten auch als Überträger von Krankheiten bekannt und stellen so eine Bedrohung für den Menschen dar. n Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

Bedrohung

Die weite Verbreitung einiger kulturfolgender Arten darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Nagetierarten ein kleines Verbreitungsgebiet haben und zu den gefährdeten oder bedrohten Arten zählen. Die Gründe dafür sind unter anderem die gezielte Verfolgung von als Schädlinge betrachteten Tieren (zum Beispiel bei den Präriehunden), die Bejagung aufgrund des Fleisches oder des Felles (wie beim Kurzschwanz-Chinchilla), die Zerstörung des Lebensraumes, die vor allem waldbewohnende Arten trifft und die Verdrängung durch eingeschleppte oder eingewanderte Neozoen.

Die IUCN listet 43 Nagetierarten als ausgestorben, neben einigen australischen handelt es sich dabei vorwiegend um Arten, die auf Inseln endemisch waren. Dazu zählen unter anderem sämtliche Riesenhutias, einige Vertreter der Baum- und Stachelratten der Karibischen Inseln, die Karibische Riesenreisratten, eine Südamerikanische Baumstachlerart, die Kanarische Riesenratte, sowie aus Australien die Weißfuß-Kaninchenratte, die Kleine Häschenratte und mehrere Arten der Australischen Hüpfmäuse. Des Weiteren gelten laut IUCN 54 Arten als vom Aussterben bedroht (''critically endangered'') und 138 als stark gefährdet (''endangered'') und 141 als gefährdet (''vulerable''), für 365 Arten liegen zu wenig Daten vor, weswegen sie als (''data deficient'') gelistet werden.

Nagetiere in der Kultur

Nur sehr wenige Nagetiergattungen spielen in der menschlichen Kultur eine Rolle. Auffallend ist jedoch, dass sie im Gegensatz zu ihrem Ruf als Schädlinge häufig positive Rollen einnehmen. Sie werden ? vermutlich aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit ? oft als klug und gewieft dargestellt, die sich gegen größere, oft dümmere Gegner erfolgreich zur Wehr setzen.

Mäuse und Ratten sind sicher die häufigsten derart dargestellten Nagetiere. In der Chinesischen Astrologie gelten Menschen, die im Jahr der Ratte oder Maus (?, shu) geboren sind als angriffslustig, aber auch intelligent und selbstbewusst. Auch in Indien sind Ratten ein Symbol für Intelligenz und Stärke, beispielsweise wird der Gott Ganesha häufig auf einer Ratte oder Maus reitend dargestellt. Im westlichen Kulturkreis sind Ratten deutlich negativer besetzt, sie gelten oft als bösartig. Die weit verbreitete Abscheu oder Angst vor Ratten wird etwa in ''Die Rättin'' von Günter Grass oder in ''1984'' von George Orwell zur Sprache gebracht.

Mäuse hingegen verkörpern eher den ?süßen?, gutartigen Charakter. Dementsprechend häufig tauchen positiv besetzte Mäuse insbesondere in Kinderliteratur und Zeichentrick auf, beispielsweise Walt Disneys ''Micky Maus'' oder die Figur in der ''Sendung mit der Maus''. Der stereotype Kampf Mäuse gegen Katzen, bei dem meist die Katzen unterliegen, wird ebenfalls oft dargestellt, etwa in Trickfilmserien wie ''Tom und Jerry'' oder ''Speedy Gonzales''. In allegorischer Weise finden sich Mäuse beispielsweise in Franz Kafkas ''Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse'' oder in dem die NS-Zeit behandelnden Comic ''Maus ? Die Geschichte eines Überlebenden''.

Die Tätigkeiten oder Eigenschaften einiger weiterer Nagetiere sind sprichwörtlich geworden, beispielsweise die langen Winterschlafe der Murmeltiere oder Siebenschläfer. Die Sammeltätigkeit der Hamster steht Pate für einen übertriebenen Hortungsdrang, und die Bautätigkeit der Biber wird als Inbegriff des Fleißes betrachtet.

Literatur

  • Michael D. Carleton, Guy G. Musser: ''Order Rodentia''. In: Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): ''Mammal Species of the World''. 3. Ausgabe. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 2005, S. 745?752, ISBN 0-8018-8221-4.
  • Thomas S. Kemp: ''The Origin & Evolution of Mammals''. Oxford University Press, Oxford 2005, 331 Seiten, ISBN 0-19-850761-5.
  • Wolfgang Maier: '' Rodentia, Nagetiere''. In: Wilfried Westheide, Reinhard Rieger (Hrsg.): ''Spezielle Zoologie. Teil 2: Wirbel- oder Schädeltiere''. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg ? Berlin 2004, 712 Seiten, ISBN 3-8274-0307-3.
  • Grant Singleton, Christopher R. Dickman, D. Michael Stoddart: ''Nager.'' In: David W. Macdonald (Hrsg.): ''Die große Enzyklopädie der Säugetiere.'' Könemann Verlag, Königswinter 2004, S. 578?587, ISBN 3-8331-1006-6 (deutsche Übersetzung der Originalausgabe von 2001).
  • Malcolm C. McKenna, Susan K. Bell: ''''. Columbia University Press, New York 1997, XII + 631 Seiten, ISBN 0-231-11013-8.
  • Hans-Albrecht Freye: ''Die Nagetiere.'' In: Bernhard Grzimek et al. (Hrsg.): ''Grzimeks Tierleben.'' Bd. 11. ''Säugetiere 2.'' Kindler Verlag, Zürich 1969, S. 204?211.
  • Richard Lydekker: ''Rodentia.'' In: ''The Encyclopædia Britannica.'' 11. Ausgabe. Bd. 13. University of Cambridge, New York 1911, S. 437?446.

Weblinks

Einzelnachweise